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Geodäsie (DGK)

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Manfred Schneider verstorben

Die Deutsche Geodätische Kommission beklagt den Tod von

Prof. Dr.rer.nat. Manfred Schneider,
Professor für Geodätische Raumverfahren 
und Himmelsmechanik 
an der Technischen Universität München

* 22.08.1935,   † 31.03.2016

Nach dem Studium der Physik an den Universitäten München und Erlangen- Nürnberg 1953-1963 begann Manfred Schneider seine wissenschaftliche Laufbahn 1963 als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitsgruppe Satellitengeodäsie des neu eingerichteten Lehrstuhls (ab 1965 Instituts) für Astronomische und Physikalische Geodäsie der damaligen Technischen Hochschule, nun Universität, München.

Seine Arbeiten führten 1965 zu seiner Promotion zum Thema “Die Bewegung künstlicher Erdsatelliten im Schwerefeld einer Erde mit drei verschiedenen Trägheitsmomenten” (DGK, C 93) und 1967 Habilitation mit dem Thema “Beiträge zur Bahnmechanik künstlicher Satelliten” (DGK, C 113), womit er als Privatdozent der TH München die Lehrbefugnis im Fach Satellitengeodäsie erhielt. Ab 1967 war er als Hochschuldozent tätig und schließlich von 1978 bis zu seiner Pensionierung 1999 als Extraordinarius der TU München.

In der eben aufkommenden Satellitengeodäsie wirkte Herr Schneider von Anfang an als einer der maßgeblichen Pioniere mit, vor allem als Wissenschaftler, daneben jedoch auch bei der Schaffung der unumgänglich nötigen Strukturen. So ist das Entstehen des 1964 gegründeten “Arbeitskreises Satellitengeodäsie” mit den Arbeitsgruppen dynamische und geometrische Methode nicht ohne seine beständige Arbeit denkbar. Nach langen Bemühungen konnte 1970 schließlich der DFG-Sonderforschungsbereich 78 (SFB78) Satellitengeodäsie der TU München im Verbund mit den seinerzeitigen beiden Abteilungen des DGFI und später Universität Bonn eingerichtet werden. Im SFB78 wirkte Manfred Schreiber als treibende Kraft mit, u.a. von 1976-1987 als Sprecher. Auch die Fortführung der Arbeiten nach Auflösung des SFB 1987 in der Nachfolgeeinrichtung Forschergruppe Satellitengeodäsie, der er wiederum als Sprecher vorstand, unter Einbeziehung aller bereits im SFB beteiligten Gruppierungen geht wesentlich auf Manfred Schneider’s nie nachlassenden Bemühungen und von ihm mit geschaffene wissenschaftliche Grundlagen zurück.

Herr Schneider verstand es auch ausgezeichnet, neben den theoretischen Arbeiten, denen sein eigentliches Interesse galt, auch die beteiligten Gruppierungen zu gemeinsamem Interesse zu vereinen sowie auch in den zuständigen Ministerien die Finanzierung zu bewirken und damit den instrumentellen Auf- und Ausbau der Satellitenbeobachtungsstation Wettzell voranzutreiben - Manfred Schneider war einer der maßgeblichen Wissenschaftler, die die internationale Bedeutung der heutigen Fundamentalstation Wettzell begründen.

Neben diesen Arbeiten fungierte Schneider von 1990-1999 als Koordinator des DFG-Vorhabens “Rotation der Erde” sowie 1991-1993 als kommissarischer Sprecher des SFB1419 “Alpen - natürliche und anthropogene Veränderungen der Reliefsphäre” der TU München sowie in anderen Gremien.

Auch im internationalen Bereich wirkte Schneider frühzeitig im der Arbeitsgruppe Dynamik künstlicher Raumflugkörper des von der ICSU einberufenen International Committee on Space Research (COSPAR) mit. Von 1976-1978 beteiligte er sich in der ESA-Beratungsgruppe für Satellitengeodäsie und Navigation mit sowie 1980-1986 im Steering Committee der seinerzeitigen IAU/IUGG-Kommission VIII.

Seine Arbeiten setzte Schneider auch in der Lehre um, wobei er sich nie ermüdend und mit größter Hinwendung und Sorgfalt bemühte, die sicher nicht einfache Materie der Himmelsmechanik den Studenten anschaulich zu vermitteln. Mit der gleichen vorbildlichen Sorgfalt widmete er sich der dauerhaften Dokumentation seiner Forschungen in etlichen Büchern, u.a. einem vierbändigen Werk zur Himmelsmechanik. In den Veröffentlichungsreihen der DGK und ehem. BEK ist er (Mit-)Autor zahlreicher Bände.

Wer das Glück hatte, Manfred Schneider persönlich zu kennen, wird ihn nicht nur als herausragenden Wissenschaftler, sondern ebenso als Menschen in Erinnerung haben, der bei allen Erfolgen stets überaus bescheiden blieb und auch bei aller Arbeitsbelastung stets ein offenes Ohr für Mitarbeiter und Studenten hatte und sich auch von Rückschlägen nicht davon abbringen ließ, sich seinen Zielen zu widmen. Er verstand es meisterlich, auch trockene Theorie in Freude an der Arbeit umzusetzen - zahlreiche ehemalige Mitarbeiter verdanken ihre heutige Stellung wesentlich der nie nachlassenden Unterstützung Manfred Schneider’s.

Der Deutschen Geodätischen Kommission - nun Ausschuss Geodäsie der Bayerischen Akademie der Wissenschaften - gehörte Schneider seit 1982 als Ordentliches, nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst 1999 als Entpflichtetes Mitglied an. Auch nach seiner Entpflichtung galt sein stetes Interesse den Entwicklungen der DGK - so nahm er, obwohl schon von Krankheit deutlich gezeichnet, selbst noch an der letztjährigen Jahressitzung der DGK teil.

(Seite erstellt: 04.04.2016)